Rentenreform: Ein Blick in die Presse
Oktober 2026
Die 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission markieren den Beginn einer geplanten großen Rentenreform in Deutschland. Der Referentenentwurf und die Verabschiedung im Kabinett dauern weiter an. Auch deshalb beschäftigen sich momentan einige Akteure mit den potenziellen Folgen einer Umstrukturierung der deutschen Altersversorgung.
In dem Artikel „Mehr Kapitaldeckung ohne mehr Staat“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) greift
Zur Person:
Alexander Ludwig ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Aktuell arbeitet er als Professor für Public Macroeconomics am European University Institute in Florenz.
Weitere Informationen zu Herrn Ludwigs Werdegang sowie zu seinen aktuellen Projekten und Tätigkeiten finden Sie auf seiner Webseite.
Zentrale Aussagen des Artikels
Der Ökonom Alexander Ludwig sieht die Pläne für einen staatlich organisierten Kapitalstock kritisch. Er argumentiert, dass dahinter ein großes Vertrauen in die Fähigkeit des Staates stehe, innerhalb weniger Jahre Strukturen aufzubauen, die in Deutschland mit der betrieblichen Altersversorgung, bei Lebensversicherern sowie bei Pensionskassen und Pensionsfonds, bereits vorhanden seien.
Gleichzeitig verweist er auf zahlreiche offene praktische Fragen. Während die Deutsche Rentenversicherung über umfangreiche Erfahrung bei der Verwaltung von Entgeltpunkten verfüge, stelle die Führung individueller Kapitalkonten für Millionen Erwerbstätige über Jahrzehnte hinweg eine deutlich komplexere Aufgabe dar. Noch anspruchsvoller sei die spätere Auszahlungsphase, die grundlegende Entscheidungen über Rechnungsgrundlagen, Sterbetafeln, Glättungsmechanismen und kollektive Risikoausgleiche – mit einem unausweichlichen Zielkonflikt zwischen der Höhe der Startrente und der Stabilität des späteren Rentenverlaufs – erfordere.
Ludwig gibt deshalb zu bedenken, dass etablierte Institutionen diese Aufgaben bereits seit vielen Jahrzehnten wahrnähmen und hierfür auf erprobte Verfahren sowie eine bestehende regulatorische Aufsicht zurückgreifen könnten.
Die betriebliche Altersversorgung
„Eine bessere Option als ein weiterer Staatsfonds steht im Kommissionsbericht: der Ausbau der betrieblichen Altersversorgung. Sie verbindet Kapitaldeckung mit kollektiver Risikotragung, erschließt den Finanzierungsbeitrag der Arbeitgeber und senkt den Verwaltungsaufwand. Vor allem aber: Die betriebliche Altersversorgung existiert. Infrastruktur, Aufsicht und versicherungsmathematische Verfahren sind erprobt.“
Alexander Ludwig in der FAZ vom
Alexander Ludwig schlägt für eine höhere Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung eine automatische Einbeziehung mit Abmeldeoption vor. Der Fakt, dass die Kommission in ihrem Bericht lediglich auf einen Sozialpartnerdialog verweise, bewertet er als zu wenig verbindlich.
Darüber hinaus warnt Ludwig vor dem erheblichen Zeitaufwand, den der Aufbau eines staatlichen Angebots mit sich bringen würde. Vor einem Start müssten zunächst neue Institutionen geschaffen und gesetzlich abgesichert werden, darunter eine Kontenverwaltung, eine Verrentungsstelle, unabhängige Gremien für die Kapitalanlage sowie entsprechende Aufsichtsstrukturen. Realistischerweise dürfte ein solcher Prozess eher ein Jahrzehnt als nur wenige Jahre in Anspruch nehmen. Die Weiterentwicklung und Regulierung bestehender Produkte ließe sich nach seiner Einschätzung deutlich schneller umsetzen, da die erforderlichen Träger, Aufsichtsbehörden und technischen Systeme bereits existieren. Da Zeit bei diesem Thema eine besonders knappe Ressource sei, hält Ludwig zusätzliche Verzögerungen für den Aufbau einer Institution, für die es bereits private Alternativen gebe, nicht für ratsam.
(vgl. FAZ vom
Für eine starke zweite Säule
Damit thematisiert
Prof. Dr. Ludwig genau die Ansätze und Positionen, die bereits von einem großen Kreis von Pensionskassen sowie von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) adressiert wurden.Von Anfang an haben wir uns für eine säulenübergreifende Reform eingesetzt, denn nur durch eine sinnvolle Verzahnung der gesetzlichen Rente mit der betrieblichen Altersversorgung wird die angestrebte Anhebung des Versorgungsniveaus auf
70 % des letzten Nettoeinkommens überhaupt erreichbar sein.
Blog-Eintrag
Der Artikel aus der FAZ ist frei zugänglich auf der eigenen Internetseite von Alexander Ludwig unter der Rubrik Blog.
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